Der pharmazeutische Name leitet sich in der Regel vom lateinischen botanischen Namen ab und besteht aus einem Begriff, der den verwendeten Pflanzen- oder Tierteil angibt, gefolgt vom Gattungsnamen. Manchmal wird auch der Artname hinzugefügt, wenn mehr als ein Vertreter einer Gattung in der Materia medica enthalten ist.
Radix Bupleuri ist der pharmazeutische Name für getrocknete Wurzeln von entweder Bupleurum chinense D.C. oder Bupleurum scorzoneraefolium Wild.; beide Arten sind in ihrer Anwendung austauschbar. Ein weiteres Beispiel ist Radix Angelicae, das sich auf die Wurzeln einer von drei Arten bezieht: Angelica dahurica Benth. et Hook., A. anomala Lallem. und A. taiwaniana Boiss.
Radix Angelicae Sinensis hingegen ist der pharmazeutische Name eines anderen Krauts mit ganz anderen Eigenschaften als Radix Angelicae und wird durch die ausdrückliche Angabe des Artnamens, sinensis, im pharmazeutischen Namen unterschieden.
In bestimmten Fällen kann ein Eintrag in der Materia medica aus mehreren Arten verschiedener Gattungen bestehen. Ein Beispiel dafür ist Herba Jinqiancao, das aus einer von fünf Arten bestehen kann: 1, Glechoma longituba (Nakai) Kupr.; 2, Desmodium styracifolium (Osbeck) Merr.; 3, Lysimachia christinae Hance; 4, Dichondra repens Forst.; 5, Hydrocotyle sibthorpiodes Lam. bar batrachium (Hance) Hand.-Mazz. In solchen Fällen ist der pharmazeutische Name typischerweise eine Transliteration des mandarinischen Namens, der „jian qian cao“ lautet, dem der Pflanzen- oder Tierteil vorangestellt wird, in diesem Fall „Herba“.
Gelegentlich werden dem pharmazeutischen Namen Adjektive angehängt, um anzugeben, wie das Kraut kommerziell zubereitet wurde. Zum Beispiel besteht Radix Rehmanniae Glutinosae Conquitae aus den Wurzeln (Radix) von Rehmannia glutinosa, die gekocht (Conquitae) und anschließend getrocknet wurden. Diese pharmazeutische Zubereitung unterscheidet sich von Radix Rehmanniae Glutinosae, demselben Kraut, das jedoch nur getrocknet und nicht gekocht ist. Ebenso ist Rhizoma Zingiberis Recens frischer Ingwerwurzelstock, während Rz Zingiberis die getrocknete Zubereitung ist. Die standardmäßige Art der kommerziellen Zubereitung ist Trocknung bzw. Dehydrierung, sofern nicht durch angehängte Modifikatoren im pharmazeutischen Namen anders angegeben.
Gebräuchliche Abkürzungen für bestimmte Pflanzen- oder Tierteile und ihre Bedeutungen sind nachstehend aufgeführt. Die Einträge sind in folgender Reihenfolge aufgeführt: (1) Pflanzen- oder Tierteil (Latein); (2) Abkürzung, falls vorhanden; (3) gebräuchliche deutsche Bezeichnung.
Pflanzenteile
- Bulbus; Blb; Zwiebel
- Caulis; Wurzelausläufer
- Concretio; geronnene Sekrete
- Cortex; Cx; Rinde
- Flos; Fl; Blüte
- Folium; Fm; Blatt
- Frucificatio; Fruchtkörper (z. B. eines Pilzes)
- Fructus; Fr; Frucht
- Galla; Gallapfel (eine durch ein Insekt oder einen anderen Reizstoff verursachte Pflanzengeschwulst)
- Herba; Hb; Kraut, die ganze Pflanze
- Lignum; Kernholz
- Pasta; Paste aus einem Pflanzenteil
- Pericarpium; Pc; Perikarp oder „Schale“
- Pollen; Pollen
- Radice; Würzelchen
- Radix; Rx; Wurzel
- Ramulus; Rml; Zweig
- Ramus; Rm; Ast
- Rhizoma; Rz; Rhizom
- Secretio; Sekrete
- Semen; S; Samen
- Spica; Blütenähre
- Spora; Sporen (z. B. eines Pilzes)
- Tuber; Knolle
Tierteile
- Carapax; Rückenpanzer (Rückenseite eines Schildkrötenpanzers)
- Colla; Haut
- Concha; Muschel oder Schale, wie bei einer Auster
- Cornu; Horn
- Dens; Zähne
- Gelatinum; durch Kochen gewonnene Gelatine
- Nidus; Nest
- Ootheca; Eikapsel (wie bei einem Insekt)
- Os; Knochen; manchmal bezieht sich dies auf versteinerte Knochen
- Plastrum; Plastron (Bauchseite eines Schildkrötenpanzers)
- Squama; Schuppen
Sonstiges
- Conquitae; gekocht
- Recens; frisch & ungetrocknet
- seu; oder
- et; und
- cum; mit